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Bündnis gegen Naziaufmarsch in Würzburg gegründet (08.02.10)
Donnerstagabend, volles Haus in der Würzburger Kickers-Gaststätte. Rund siebzig Vertreterinnen und Vertreter aus Verbänden, Organisationen und Parteien aus der Stadt waren einer Einladung des DGB gefolgt, um sich in einem Bündnis gegen den angemeldeten Naziaufmarsch am 1. Mai zusammen zu finden.

„Würzburg ist bunt, nicht braun - Gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai in Würzburg!“, heißt das Motto auf das sich die Teilnehmer für das Bündnis einigten. In einer Bündnisgrundlage wurde vereinbart, worum es den beteiligten Gruppen geht, der Text im Wortlaut:

Würzburg ist bunt, nicht braun! Gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai in Würzburg

Das sogenannte „Freie Netz Süd“ hat für den 01. Mai 2010 in Würzburg einen Aufzug angemeldet.  Beim „Freien Netz Süd“ handelt es sich um Akteure der militanten Neonaziszene. Sie bezeichnen sich als „nationale Sozialisten“, verfügen über ausgeprägte virtuelle Strukturen in Süddeutschland und verfolgen einen sogenannten Plan des “Antikapitalismus von Rechts“.  Die Organisatoren vertreten eine extrem antidemokratische, verfassungsfeindliche und rassistische Haltung. Der angekündigte Aufmarsch gewaltbereiter Rechtsextremisten begründet die Pflicht zum Widerstand aller Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Das Bündnis gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai ist sich darüber einig, dass der 1. Mai 2010 in Würzburg gemeinsam als internationaler Maifeiertag und als Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, zu sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde friedlich begangen wird. Es ist der Tag, an dem gute Arbeit, gerechte Löhne und einen starker Sozialstaat im Mittelpunkt stehen.

Das Bündnis ist sich darüber einig, dass Rechtsextremismus in Würzburg keine Chance haben darf. Rassismus, Ausländerhass, Gewalt und die Verfolgung von Minderheiten sind mit den Werten einer aufgeklärten Gesellschaft nicht vereinbar. Das Bündnis gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai sieht es als seine Verpflichtung an, solidarisch Maßnahmen in die Wege zu leiten, um alten und neuen Nazis am 1. Mai in Würzburg eine klare Absage zu erteilen.

Die Bündnisgrundlage war das Ergebnis einer gründlichen Diskussion eines vorbereiteten Resolutionstextes. DGB Regionsvorsitzender Frank Firsching beschrieb zu Beginn die Ausgangslage, DGB Regionssekretär Norbert Zirnsak gab Informationen zu der Nazigruppierung, die die Aufmärsche angemeldet hat. So genannte „freie Kräfte“ treten als Organisatoren auf. Die angemeldeten Aufzüge finden in Konkurrenz zu einer Veranstaltung der NPD am gleichen Tag in Fürth statt. Der DGB geht laut Frank Firsching von einem Aufmarsch in Schweinfurt aus, wobei endgültige Angaben über den tatsächlichen Ort des Aufzuges erst wenige Wochen vor dem 1. Mai gemacht werden können. Die Anwesenden sahen es als wichtig an, dass die Bündnisarbeit trotzdem beginnen muss, um vorbereitet zu sein. Experten gehen davon aus, dass mit mindestens 500 gewaltbereiten Nazis aus ganz Süddeutschland zu rechnen ist. Entsprechend groß muss der friedliche Widerstand der Schweinfurter Bevölkerung ausfallen, so ein Teilnehmer.

Nach der Verabschiedung der Bündnisgrundlage wurde eine Vorbereitungsgruppe aus dreizehn Personen installiert, die ihre Verbände oder Organisationen im Bündnis vertreten. Beteiligt sind: DGB, Bündnis für Zivilcourage, Ausländerbeirat, Frauenverbände, Piratenpartei Unterfranken, DIE LINKE, Liberale, VVN-BdA, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, Diakonisches Werk, Katholisches Dekanat und Ökopax. Ein erstes Treffen der Gruppe wurde für Dienstag, den 09. März 2010 in den Räumen des DGB in Würzburg verabredet. Beginn ist um 19.30 Uhr. Bis dahin wird der DGB weitere Vorarbeit leisten.

Folgende Gruppen nahmen an der Bündnisgründung teil:
DGB, Ausländerbeirat, Bündnis für Zivilcourage, Würzburger Frauenbündnis, KdA Unterfranken, Arbeitnehmerbeauftragter des evangelischen Dekanats, DIE LINKE, Diakonisches Werk, ver.di, Betriebsrat H&M, VVN-BdA, Piratenpartei Unterfranken, Katholisches Dekanat, Junge Liberale, FDP Würzburg, Jusos, GEW, SPD Würzburg, Joso Hochschulgruppe, SDS, Stadtjugendring, Bündnis 90/Die Grünen, IG BAU, Klub der lebenden Dichter, IG-Metall, UWG-Freie Wähler, AfA, Attac, Heilpädagogisches Forum, ÖDP, Ökopax,  Stolpersteine Würzburg, Initiative gegen das Vergessen für Demokratie, SPD Randersacker, Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit, BDKJ, Freundeskreis ausländischer Mitbürger, NGG.

Einige wenige Gruppen müssen sich formal noch die Bestätigung in den Gremien ihrer jeweiligen Organisation einholen. Zu Mitarbeit haben sich vor dem Termin bereits weitere Gruppen bereiterklärt. Darunter zum Beispiel der Arbeiter Samariter Bund. Es ist der Wille des Bündnisses weiter zu wachsen. Dazu können Verbände und Parteien sich beim DGB in Würzburg melden.

Für den DGB freute sich Frank Firsching zum Abschluss über die große Resonanz der Bündnisgründung und zeigte sich optimistisch: „Nach diesem Auftakt mit der breiten Beteiligung bin ich mir sicher, dass es uns gemeinsam gelingen wird in Würzburg am 1. Mai klarzustellen: Würzburg ist bunt, nicht braun!“ 

Mehr Bilder der Gründungsveranstaltung sehen Sie in der Diashow:

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