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Stadt will Zeichen gegen Nazis setzen (29.04.10)
Es bleibt ein Verwirrspiel: Marschieren nun am 1. Mai Neonazis durch Würzburg oder nicht? Angemeldet hat das „Nationale Bündnis 1. Mai“ den Zug – das Verwaltungsgericht hat ihn mit Verweis auf die gesetzlich verbriefte Versammlungsfreiheit genehmigt und das Verbot durch die Stadt Würzburg gekippt. Doch mobilisiert wird von den Rechtsextremen ausschließlich für einen Aufmarsch in Schweinfurt, zu dem die Polizei etwa 1000 Teilnehmer erwartet. Denkbar ist, dass sich der braune Spuk erst im Anschluss an den dortigen Auftritt nach Würzburg verlagert. Angemeldet wurde hier der rechte Aufmarsch (ab Hauptbahnhof) für den Nachmittag. Insofern wappnen sich Stadt und Polizei für ein solches Szenario. In einer Pressekonferenz am Donnerstag sollen Details dazu bekannt gegeben werden.
Zumindest juristisch laufen die Auseinandersetzungen also weit vor dem 1. Mai, den die Rechtsextremen zum „Arbeiterkampftag“ erklärt haben. Noch am Mittwoch hat die Stadt Beschwerde gegen die Genehmigung des Neonazi-Aufmarsches beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Begründung: Würzburg sei für die Anmelder nur relevant, wenn der Aufzug in Schweinfurt durch Widerstände nicht stattfinden kann. Die Stadt befürchte für Würzburg gerade dann ein erhöhtes „Emotionalisierungs-" und Eskalationspotenzial. Unabhängig von diesem juristischen Streit und davon, ob die Rechten tatsächlich aufkreuzen, ist Würzburgs Bevölkerung am kommenden Samstag zu einer großen Demonstration aufgerufen. Motto: „Würzburg ist bunt, nicht braun.“
Schon einmal, vor fünf Jahren, zogen mit dieser Botschaft rund 8 000 Menschen durch die Stadt, um ebenfalls gegen einen Naziaufmarsch zu demonstrieren. Hatten damals die Kirchen die Initiative dazu ergriffen, war es nun der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Er sieht den 1. Mai als traditionellen und internationalen Tag der Arbeit von den Rechtsextremen missbraucht und ins Gegenteil verkehrt. Angestoßen vom DGB hat sich im Februar in Würzburg ein Bündnis aus politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Gruppen gegründet. Es wird mittlerweile von über 70 Organisationen unterstützt. Das Bündnis hofft für Samstag auf die Teilnahme mehrerer tausend Menschen an Kundgebung und Demonstration, die sich zeitlich nicht mit dem möglichen Rechten-Zug trifft. Auftakt der Anti-Nazi-Demo ist um 11 Uhr am Hauptbahnhof mit einer Rede von Walther Mann von der IG Metall. Über 70 Organisationen und fast 300 Einzelpersonen unterstützen mittlerweile das Anfang Februar gegründete Bündnis „Würzburg ist bunt, nicht braun“. Es wurde nach der Anmeldung eines Neonazi-Aufmarsches in Würzburg für den 1. Mai auf Initiative des DGB ins Leben gerufen. Ein vergleichbares Bündnis formierte sich auch in Schweinfurt, wo am Samstag der Schwerpunkt der Rechtsextremen liegt.
Quelle: Andreas Jungbauer, Mainpost vom 29.04.2010 |